Still-Einmal-Eins Teil 7: Saugverwirrung

Per Definitiion ist eine Saugverwirrung ein vorübergehendes oder dauerhaftes falsches Saugen eines Säuglings an der Mutterbrust mit der Folge, dass das Stillen nicht erfolgreich ist. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde dieses Phänomen 1995 von Marianne R. Neifert vom Rose Medical Center in Denver/USA.

Doch gibt es diese "Saugverwirrung" überhaupt? Es können schließlich zahlreiche Babys zwischen Schnuller, Flasche und Brust wechseln ohne damit ein Problem zu haben. Als Stillberaterin kenne ich diese Fälle, in denen es tatsächlich problematisch ist. Bei etwa 20% der Baby können Schnuller, Flasche, Brusthütchen und sogar Finger Schwierigkeiten hervorrufen.Saugverwirrung

Stillen und am Schnuller saugen sind zwei komplett unterschiedliche Techniken und erfordern die Koordination verschiedener Bewegungen und Muskeln. Das Saugverhalten an der Flasche ist vollkommen anderes als an der Brust: Der Mund ist nicht so weit geöffnet, die Zunge muss keine Bewegung durchführen, sondern nur gegen den harten Gaumen drücken, um an die Flüssigkeit zu gelangen. Weiterhin wird im Mund ein starkes Vakuum aufgebaut, ähnlich wie beim Saugen an einem Strohhalm, die Wangen sind auch eingezogen. Hat der Sauger ein großes Loch, muss sich das Kind kaum anstrengen, um satt zu werden.

Aus diesem Grund geraten manche Babys durcheinander, wenn beides zeitgleich angeboten wird. In diesen Fällen spricht man von einer Saugverwirrung. Diese kommt zwar nicht bei allen Stillkindern vor, denen ein Schnuller angeboten wird, aber wenn das Problem auftritt, wird es schwer, die Kleinen wieder an die Brust zu gewöhnen.

Die stillende Mutter merkt es daran, dass das Stillen schmerzhafter wird und das Kind die Brustwarze nicht mehr richtig fassen kann. Auch ein komplettes Verweigern der Brust kann die Folge sein. Das Baby hat Probleme das Saugmuster des künstlichen Saugers mit dem der Brust zu kombinieren. In vielen Fällen kann sich das Stillen problemlos wieder einspielen, es ist jedoch nicht selten ein mühsamer Weg, der von der Mutter abverlangt wird.

Die beste Vorsorge gegen eine Saugverwirrung ist also tatsächlich, in den ersten Tagen und Wochen komplett auf künstliche Sauger zu verzichten. Sollten Stillprobleme nach dem Kunstsaugergebrauch auftreten, ist auf jeden Fall die Hilfe der Hebamme oder einer Stillberaterin sinnvoll – eine gute Stillberatung ist in dieser Zeit eine wichtige Unterstützung.

Es gibt auch Fälle wo das Baby bereits viele Wochen alt ist und plötzlich Probleme auftreten können: Die Brust wird wund oder das Baby verweigert die Brust. Hierbei kann es sich um eine Saugverwirrung handeln, es können aber auch andere Probleme dahinter stecken. In diesem Fall kannst du dich an deine Hebamme wenden - sie kann dir in deiner gesamten Stillzeit weiterhin mit Rat zur Seite stehen.

Still-Einmal-Eins Teil 6: Rolle des Vaters

Eine Starke Bindung zwischen deinem Baby und dem Vater ist die beste Grundlage für die zukünftige Beziehung von Beiden. Genau wie bei dir wächst der Vater allmählich in seine Elternrolle hinein.

Für euer Baby bist du für die Nahrung zuständig, durch das Stillen gehst du der natürlichsten Form der Ernährung nach. Für den Vater gibt es viele weitere Möglichkeiten, eurem Baby nahe zu sein: durch wickeln und baden, oder Tragen in einem TragetucFotolia 107261704 XSh oder der Tragehilfe. Das schafftdir Zeit für dich. Auch ein Bad zusammen mit dem Baby, Haut zu Haut- Kontakt tun dem Vater und eurem Baby gut und stärkt so das Band zwischen beiden.

Gerade in der ersten Zeit mit Baby kann dein Mann viel dazu beitragen, das deinen Wünschen Gehör geschenkt wird. Hilfe beim Haushalt, Einkaufen und weiteren Verpflichtungen werden mit Sicherheit dankend und wertschätzend angenommen. Diese Erleichertung und Wertschätzung kann die Beziehung zwischen euch als Paaar auf Dauer stärken. Auch Anerkennung und Ermuting zum Stillen stärkt die Beziehung.

Helfe deiner Frau, ermutige Sie, halte ihr den Rücken frei, versorge Sie mit Essen und trinken. Ermunter sie eine Stillgruppe zu besuchen, wo sie sich unter Gleichgesinnten austauschen kann.

Beim Essen ist es toll, wenn das Essen klein geschnitten wird, wenn das Baby direkt beim Essen stillen mag. Auch ein belegtes Brot zeigt von hoher Aufmerksamkeit und halten die Beziehung in der Anfangszeit aufrecht und stärken Sie.

Erholungspausen nach einem langen Tag mit Baby tun jeder Frau gut: eine halbe Stunde Zeit nur für sich zu haben, Kraft tanken und viele Sorgen sind danach wie weggeblasen. Das Baby lernt so recht gut, dass es auch ohne Mama mal gut gehen kann.

Väterliche Einschränkungen können schwer fallen, jedoch langfristig gesehen tut der engagierte Einsatz der Beziehung zur Frau und dem Baby gut: Die Familie kann bestehen und fühlt sich wohl.

Still-Einmal-Eins Teil 5: Hohl- und Flachwarzen

Stillen mit Flach- und Hohlwarzen Fotolia 96783825 XS

Das Wichtigste vorweg: flache oder eingezogene Brustwarzen sind nicht ungewöhnlich, und viele Frauen können damit problemlos stillen. Ist das Baby gut angelegt, so hat es nicht nur die Brustwarze im Mund, sondern auch einen beträchtlichen Teil des Warzenvorhofs. 

Häufig wird Frauen im Falle von Flach- oder Hohlwarzen standardmäßig zur Verwendung von Stillhütchen geraten. Mit Stillhütchen sind jedoch verschiedene Nachteile verbunden, so dass sie nur in besonderen Fällen angezeigt sind und nur nach Beratung verwendet werden sollten. Die Beurteilung erfolgt im Idealfall durch eine ausgebildete und erfahrene Stillberaterin.

Die Nachteile von Stillhütchen sind: Verminderung der Milchmenge, keine ausreichende Leerung der Brust, Einfluss auf das Saugverhalten, Neigung zu Milchstaus, die Infektiongefahr ist erhöht.

Beim Vorliegen von Flach- oder Hohlwarzen ist es empfehlenswert, das Stillen entspannt und sorgfältig anzugehen, insbesondere auf eine saubere Anlegetechnik zu achten. Die Brustwarze kann durch manuelle Stimulation oder durch einen kalten Waschlappen direkt vor dem Anlegen zum Heraustreten gebracht werden und dem Baby so das Saugen erleichtern.

Still-Einmal-Eins Teil 4: Kolostrum

Fotolia_110046283_XS.jpgKolostrum ist eine gelbliche, dickflüssige Anfangsmilch, die Deinem Baby direkt nach der Geburt einige Tage zur Verfügung steht und reich an Proteinen, Mineralien und Vitaminen ist. Das Kolostrum wird ideal angepasst auf die Magengröße Deines Babys in geringen Mengen produziert und ist absolut ausreichend und sättigend für die Zeit, bis Dein Milcheinschuss stattfindet.

Vorteile des Kolostrums

Kolostrum ist eine vielseitige Nahrung, die Deinem Baby und Dir den Start ins gemeinsame Leben erleichtert:

  1. Kolostrum regt die Darmtätigkeit Deines Babys an, so dass es schneller das Mekonium ausscheiden kann und besser vor Gelbsucht geschützt ist.
  2. Kolostrum enthält eine Vielzahl von Antikörpern, die Dein Baby gegen die verschiedensten Infektionen schützen können.
  3. Kolostrum legt sich wie ein Schutzfilm über die noch unreife Schleimhaut des Darms Deines Babys.
  4. Der Darm Deines Babys wird mit gesunden Bakterien besiedelt, Kolostrum unterstützt die Ausbildung eines vielfältigen und gesunden Mikrobioms und legt so den Grundstein für eine gesunde Darmflora.

Was bedeutet das für Dich und Dein Baby?

  1. Das Kolostrum ist eine wichtige Nahrung für Dein Neugeborenes. Auch wenn Du eigentlich nicht stillen willst ist meine Empfehlung: biete Deinem Kind in den ersten beiden Tagen diese wichtige Nahrung an, als lebenslange Grundlage für ein gesundes Immunsystem und eine ausgeglichene Darmflora.
  2. Lege Dein Baby direkt nach der Geburt an. Es kann sein, dass du das Gefühl hast, dass eigentlich keine Milch kommt und Dein Baby „trocken stillt“. Kolostrum wird nur in geringen Mengen produziert und ist dickflüssig. Behalte im Hinterkopf, dass diese Nahrung für Dein Baby und seinen winzigen Magen komplett zufriedenstellend und sättigend ist.
  3. Stille Dein Baby in den Tagen nach der Geburt mindestens acht Mal in 24 Stunden, damit es ausreichend Kolostrum erhält. Häufiges Stillen bereitet eine gute Milchproduktion ab dem Milcheinschuss vor und gestaltet den Übergang von Kolostrum zur Muttermilch sanfter für Dich.
  4. Dein Baby darf nach der Geburt bis zu 10% seines Geburtsgewichts abnehmen, ohne dass weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Das Geburtsgewicht Deines Babys kann sich u.U. durch Infusionen, die Du während der Geburt erhalten hast, erhöhen (durch Flüssigkeitseinlagerungen), so dass dieser Wert verfälscht werden kann. Behalte dies im Hinterkopf bei der Beurteilung.

Das Kolostrum wird bereits ab Mitte der Schwangerschaft gebildet. Es kann sein, dass bereits vor der Geburt etwas Kolostrum aus der Brust austritt, dies ist kein Grund zur Besorgnis.

Beitragsbild: tiagozr, fotolia.com

Still-Einmal-Eins Teil 3: Babys weinen

Es gibt viele Gründe, warum ein Baby weint, und es ist ganz oft verflixt schwer oder unmöglich, den richtigen herauszufinden. Dabei können sowohl körperliche als auch seelische Faktoren eine Rolle spielen.

Ist Dein Baby beim Stillen sehr unruhig oder lässt die Brustwarze los und weint? Die für viele Frauen naheliegende Begründung, nämlich "zu wenig Milch, es wird nicht satt", trifft ganz oft nicht zu! Stattdessen kann es sogar sein, dass Du sehr viel Milch oder einen starken Milchspendereflex hast und Dein Baby, vor allem wenn es noch klein ist, gar nicht hinterherkommt mit dem Trinken. Mit zunehmendem Alter pendelt sich der Milchvorrat ein und die Trinktechnik Deines Babys verbessert sich, so dass Besserung in Sicht ist. Unruhe und Schreien an der Brust können auch durch Schmerzen beim Baby bedingt sein, beispielsweise durch Hals- und Ohrenschmerzen. Solltest Du vermuten, dass Dein Baby Schmerzen hat, so stelle es kurzfristig beim Kinderarzt vor zur Kontrolle.baby 408262 640

Für Babys ist die Welt aufregend und neu, jeden Tag kommen unzählige frische Erfahrungen und Lernmomente dazu. Das erste Lebensjahr ist die Lebensphase mit der umfangreichsten Entwicklung des Gehirns. All diese Faktoren können erschöpfen und überfordern Dein Baby sicher phasenweise, was es durch Schreien ausdrückt, besonders wenn der Tag zu Ende geht. Stillen ist nicht nur Nahrung, sondern auch Beruhigung, Körperkontakt und Sicherheit, die Dein Baby dann besonders braucht. Dabei kann auch ein warmes Kirschkernkissen und eine wohltuende Massage Dich und Dein Baby entspannen und beruhigen. Und wenn Du Dein Baby trägst, gibst Du ihm den Kontakt und die Sicherheit direkt beim Erleben der neuen Eindrücke. Zusätzlich hat es jederzeit die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und sich beispielsweise im Tuch an Dich zu kuscheln, wenn ihm alles zu viel wird. Es ist nachgewiesen, das getragene Babys weniger schreien, als Babys, die nicht getragen werden. Und ganz unabhängig von aller Forschung und allen Vorteilen: Tragen macht Spaß!

Und trotzdem ist manchmal alles zu viel und Du hältst das Schreien nicht mehr aus? Dann ist es wichtig, dass Du jemanden hast, der Dich unterstützt und Dir einige Momente zum Durchatmen verschaffen kann, besonders, wenn Dein Baby noch sehr klein ist. Vielleicht kann Dir jemand etwas zum Essen vorbeibringen, Dir im Haushalt unter die Arme greifen, Dich zum Kinderarzt begleiten oder einfach bei Dir sein und Dir Gesellschaft leisten? Wenn Dein Baby sehr viel schreit und Du Dir nicht zu helfen weißt, gibt es professionelle Unterstützung beispielsweise unter Emotionelle Erste Hilfe (EEH).

Und als letzten, aber nicht weniger wichtigen Punkt: wenn bei Dir zu Hause geraucht wird, so kann Dein Baby auch Magen-Darm-Probleme bekommen und deswegen weinen. Darum ist es wichtig, zu Hause gar nicht zu rauchen und Raucher nach draußen zu schicken, ohne Ausnahme.

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