Der Unsinn von Tragehilfenrankings

"Welche Tragehilfe wählen andere Eltern am häufigsten?"

Diese Frage stellt mir mindestens jede zweite Familie in den Beratungen. Dahinter steckt oft der Wunsch, einen Hinweis auf die optimale Lösung für alle Lebenslagen zu entdecken, sozusagen die bekannte eierlegende Wollmilchsau-Trage. Fidella Tragehilfe

Vorrecherchen der Beratungskunden im Internet haben sie auf verschiedene Listen und Kriterien stoßen lassen, die nun in der Beratung mit dem neu gewonnen Wissen und mit mir abgeglichen werden müssen: ich habe gelesen, dass Tragehilfe X in Bewertung Y auf Blog Z nicht überall "hervorragend" abgeschlossen hat. Was ist da dran, warum ist das so, woran liegt das, scheidet die Trage damit als Optimallösung aus?"

Social Media-Kanäle sind sehr gute Verbreitungsorgane für viele teils ewig lange Listen von Tragehilfen mit tausenden von verschiedenen Modellen, streng kategorisiert nach Altersklassen und Eignung (generell oder vielleicht komplett ungeeignet gibt es auch, gerne mit roten Warnschriften versehen). 

Doch ist Tragen nicht viel mehr, als eine Liste von geeigneten oder ungeeigneten Tragehilfen? Und was steckt dahinter, dass solche Listen überhaupt verfasst werden?

  • Oftmals werden Listen und Artikel für einen bestimmten Artikel geschrieben, z.B um diesen besser zu vermarkten. Hierzu ist ein Blick hilfreich, ob jemand diese Tests macht, der vielleicht selbst die Tragehilfen näht.
  • Oder es wird ein Artikel in erster Linie geschrieben um durch hohe Besucherzahlen Geld zu verdienen. Viele Blogs sind gewinnorientiert, auch wenn das auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Es gibt neben offensichtlichen Werbebannern auch bezahlte Postings, die nur von guten Bloggern auch durchgängig als solche gekennzeichnet werden. Auch das großzügige Verschenken von Produkten an erfolgreiche Blogger ist nicht ungewöhnlich und eine kluge Marketingsstrategie der Firmen, wenn danach ein netter Artikel oder eine positive Erwähnung herausspringt.
  • Ab und an findest du auch Artikel von anderen Eltern, die nicht möchten, dass andere Eltern die selben Fehler machen, die sie gemacht haben, die gerne die Welt (oder wenigstens die Babys) retten wollen. Hierbei vergessen sie aber mitunter, dass der Leser unter anderen  Vorraussetzungen in einem anderem Umfeld und vor allem mit einem anderen Kind lebt und daher gute Gründe hat, gute, eigene und andere Entscheidungen zu treffen als vom Schreiber beabsichtigt.
  • In Facebook-Gruppen oder in Internetforen herrscht oft ein rauer und sehr bewertender Tonfall, der weder Kind noch Eltern im Einzelfall gerecht wird.

Trotzdem sind wir bei unserer ursprünglichen Frage nun noch keinen Schritt weiter. Nach 23 Listen und 5 Stunden Recherche ist immer noch unklar: was ist denn nun die eierlegende Wollmilchsau, eine Trage, die ALLE folgenden Punkte bestmöglich erfüllt:

  • passt auf jede Statur der Eltern und auf jede Größe des Babys/Kindes („von Geburt bis 3 Jahre“)
  • ist einfach anzulegen und zu bedienen
  • kühlt bei Hitze und wärmt bei Kälte
  • kann als Bauch-, Hüft- und Rückentrage eingesetzt werden
  • kostet möglichst wenig, ist schnell verfügbar und aus schadstofffreiem Material hergestellt
  • kann zum Stillen eingesetzt werden
  • fördert optimal die Hüftentwicklung
  • stützt den Rücken umfassend ab
  • sorgt für eine gesunde Entwicklung des Babys
"Ja, gibt es denn eine solche Trage überhaupt?"

 

Tragehilfen Check Tragetuch TestsiegerNein, die gibt es nicht! Das ist aber kein Grund zum Verzweifeln, wenn Du die Entscheidung nicht einer Liste überlässt, sondern Tragehilfen systematisch und individuell betrachtest. Tragehilfen sollten nicht nur für Dein Baby gut anpassbar sein, sondern auch für Dich. Das kann Dir aber keine Liste der Welt über Ferndiagnose einteilen oder beurteilen. Das solltest Du testen, genauso wie beim Schuhkauf. Mit den folgenden, einfach zu beurteilenden Punkten bist Du in der Lage, jede Tragehilfe für Dich und Deine Voraussetzungen selbst zu beurteilen und auszuwählen, was passt. Ganz ohne Listen, Facebook-Gruppen und Bewertungen von außen:

 

Selbsttest

  • Der Rücken Deines Babys ist gut gestützt und er kann sich leicht runden, wenn es schläft
  • Dein Baby ist seitlich ebenfalls gut gestützt und Du trägst in aufrechter Position
  • Dein Baby bleibt dicht an Deinem Körper, wenn Du Dich vor- oder zurücklehnst.
  • Der Kopf von Deinem Baby kann bei Bedarf gesondert gestützt werden
  • Dein Baby ist in einer angehockten Spreizhaltung und es befindet sich genügend Stoff an den Oberschenkeln bis kurz vorm Knie
  • Die Füße und Unterschenkel können sich frei bewegen
  • Du hast beide Hände frei und kannst eine aufrechte Haltung einnehmen
  • Auch nach längerer Zeit ist diese Tragehilfe noch bequem für Dich, gemessen am Tag

Wenn Du eine Tragehilfe gefunden hast, die für Euch bequem ist und Deinem Baby gut passt: wunderbar! Ja, vielleicht gibt es noch eine Tragehilfe, die noch einen Tick besser sitzen würde. Diese zu finden kostet Zeit, Kraft und viel Gehirnschmalz, ohne dass klar ist, ob der daraus gewonnene Vorteil die Mühe wert ist. Die Zeit ist sicher besser verbracht damit, Dein Baby zu tragen, zu kuscheln und dabei glücklich zu sein. Also: Trag Dein Baby, sei mobil und genieße die einmalige Tragezeit!

Was kann Tragen eigentlich noch?

Zum Weiterlesen:
http://www.verhaltensbiologie.com/publizieren/fachartikel/PDF/T3.pdf

http://www.tragenetzwerk.de/index.php/tragen

http://www.verhaltensbiologie.com/publizieren/fachartikel/PDF/T17.pdf

 

Collage Tragen

 

Tags: Trageberatung, Tragehilfen

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